Vinyls mit WD-40 reinigen

Ausgangssituation

In meinem Musikbestand befinden sich noch ca. 400 alte Vinyl-Schallplatten. Diese wollte ich digitalisieren, um einerseits deren Zustand quasi „einzufrieren“ und andererseits den Komfort eines Musikservers mit ordentlich getaggten Musikstücken zu nutzen. Viele kennen aber das Problem: Die alten Platten sind, selbst bei vernünftiger Behandlung und Lagerung, doch oft statisch aufgeladen und auch Staub sowie andere Partikel machen sich gern in den Rillen breit. Es ging mir also darum, vor dem eigentlichen Überspielen auf PC die Schallplatte zu reinigen, um möglichst wenig Störgeräusche aufzunehmen.

Ich bin dann bei meinen Recherchen auch im Internet auf den Tipp gestoßen, man könne sie mit Rasier-Gel reinigen. Dieses Verfahren testete ich an einer LP und war ganz und gar nicht damit zufrieden. Da ich aber schon nichts mehr zu verlieren hatte, kam mir eine Idee.

 

Lösungsansatz: Vorbehandlung mit WD-40

WD-40 wird oft als Kriechöl bezeichnet, was aber nicht so ganz stimmt. Viele Motorrad- und Autofahrer kennen das Mittel, weil es Wasser verdrängt, in kleinste Strukturen eindringt und sie wieder gängig macht. Ich war mir über die mögliche Agressivität der Flüssigkeit erst nicht sicher, da sie auch als Rostlöser benutzt wird. Eine Recherche im Web ergab aber, dass die Substanzen das Vinyl einer LP nicht angreifen! Die Wirkung von WD-40 ist weniger auf chemischer Basis zu suchen, als auf molekularer Ebene. Es fühlt sich nur im ersten Moment fettig an, ist es aber eigentlich gar nicht. Wenn ich alles richtig verstanden habe, unterstützt es die Abrasion. Das führt dazu, dass sich fest sitzender Dreck (und eben auch Rost) von seinem Untergrund ablöst und leichter entfernt werden kann. Staub und anderer Schmutz auf LPs (auch Rückstände vom Nassabspielen gehört dazu) passte für mich demnach genau ins „Beuteraster“ der Substanz. Mein Test mit der durch das Rasier-Gel versauten LP gab mir Recht.

 

Vorgehensweise

So behandle ich seitdem alle meine LPs vor der Digitalisierung folgendermaßen:

 

Mittels einiger Umdrehungen auf dem Plattenteller und einer handelsüblichen LP-Bürste entferne ich lose sitzenden Staub, Fussel und was sich sonst so auf einer LP-Oberfläche durch statische Aufladung usw. befindet.

Dann lege ich mir meine Materialien bereit:

  • WD-40
  • Haushaltstücher (beispielsweise „Zewa“ oder „Kleenex“)
  • Toilettenpapier (nicht zwingend erforderlich, hat aber gerade die richtige Breite)

 

Eine flache Unterlage (bei mir: unser Esstisch) wird mit einigen Blättern Haushaltstüchern abgedeckt.

Darauf wird die LP gelegt.

 

Einige Sprühstöße WD-40 auf die LP-Seite geben. Dabei sollte man ein wenig aufpassen, dass man möglichst das mittig sitzende Plattenlabel nicht oder zumindest nur wenig besprüht.

Sollte das passieren, ist es aber kein Drama. Einfach gleich die Rückstände mit einem Haushaltstuch abwischen.

Tipp: Viele von uns haben alte CDs (z. B. ungenutzte Beilagen von Magazinen) zuhause, die eigentlich entsorgt werden müssten. So eine kann man zum Abdecken des Labels ebenso nehmen wie einen runden Bierdeckel (Grund, mal wieder ein Restaurant zu besuchen).

 

Man erkennt deutlich, wie WD-40 sofort schön in die Tiefen der Rillen dringt, wo es wirken kann.

Ich gebe der Flüssigkeit ca. 30 Sekunden Einwirkzeit. Die hat bisher gereicht. Hier kann man sicher variieren und sollte selbst probieren, wie viel Zeit man ihr lässt, um Schmutzpartikel so anzulösen, dass man sie anschließend mit einem Tuch aufnehmen kann.

2-3 Streifen Toilettenpapier zu einer Rolle wickeln, die hat dann ziemlich genau die Breite der Nutzfläche einer LP.

Diese Rolle kreisförmig unter ganz leichtem Druck um die Platte führen. Das heißt, dass man die Bewegung quasi so macht, dass ein Rollenende immer zur Plattenmitte zeigt, also als ob ein Zeiger um ein Ziffernblatt läuft. So umrunde ich die Platte mehrfach (4-5 Umdrehungen genügen) und nehme die Flüssigkeit und den darin enthaltenen Feinststaub usw. auf. Es ist völlig okay, wenn ein ganz leichter Film zurück bleibt. Das stört beim Abspielen keineswegs, lediglich vor dem Verpacken sollte man dann nochmals die beschriebene Prozedur mit frischem Kleenex / Toilettenpapier wiederholen.

Als toller Effekt kommt es durch WD-40 zu einem massiven Abbau der statischen Aufladung, die Platte sieht optisch ziemlich sauber aus. Logisch, dass meine Hörproben mich derart überzeugt haben, dass ich seither nur noch so arbeite. Ich habe verschiedene LPs vor und nach der Behandlung aufgenommen und dann mittels der Software WavePurity das Knistern extrahiert. Dann habe ich mir nur dieses extrahierte Knistern angehört und verglichen. Die WD-40 behandelten Platten waren deutlich ruhiger.

Nach dem Überspielen reibe ich immer nochmals mit einem frischen Stück Kleenex oder Toilettenpapier über die Seiten, um eventuelle Restrückstände zu entfernen. Dann ist die LP eigentlich immer so trocken, dass sie wieder in ihrer Hülle verstaut werden kann.

Für Feedback anderer Tester wäre ich dankbar.

 

Bezugsquellen

WD-40 kann bezogen werden in

 

Weiterführende Informationen